Apps auf Rezept - Diese Apps könnten Sie interessieren

Eine Online-Befragung zum digitalen Gesundheitsmarkt 2020 (EPatient Survey) ergab, dass 20 Millionen Deutsche digitale Gesundheits-Apps nutzen und rund 10 Millionen Diagnostik-Apps. Bereits 4% der Befragten hatten der Umfrage zufolge eine App von Ihrem Arzt oder Ärztin verordnet bekommen, obwohl die vom BfArM zugelassenen ersten Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGas) erst seit wenigen Wochen veröffentlicht waren: https://diga.bfarm.de/de. (Kurz darauf wurden bereits erste Sicherheitslücken bei den digitalen Gesundheits-Apps entdeckt: https://tinyurl.com/y2mhopmo).

Bis Ende 2020 wurden vom BfArM insgesamt 10 Apps zugelassen. Anfang März 2022 sind es 31 Apps.

Mit den neuen Regelungen (TSVG, DVG, GSAV) werden Praxen digitaler werden. Apps auf Rezept könnten langfristig zum Standard gehören. Patient:innen könnten Sie als Arzt / Ärztin oder Therapeut:in darauf ansprechen, oder werden unter Umständen von Ihnen Meinungen oder Empfehlungen zu bestimmten Apps haben wollen. Aus diesem Grund haben wir uns angeschaut, mit welchen Apps Sie in Zukunft in Ihrer Praxis in Berührung kommen könnten und welche Anwendungen bereits jetzt von welchen Krankenkassen angeboten oder bezahlt werden. Hier finden Sie eine kleine Auswahl.

Jennifer Schuld, Rechtsanwältin bei KINAST Rechtsanwälte rät in Ihrem Blog-Beitrag bei esanum Ärzt:innen in Bezug auf Sicherheit der Apps stets auf dem aktuellen Stand bleiben, da Sicherheitsprobleme von Apps auch noch nach einer Freigabe entstehen können und dann auch nicht mehr verschrieben werden sollten. Regelmäßige Überprüfungen der Tauglichkeit der Apps auf den Homepages der BfArM sowie beim Hersteller der App sind nach Schuld unerlässlich: https://www.esanum.de/blogs/medizinrecht-blog/feeds/today/posts/das-digitale-versorgungsgesetz

Der Mehrwert von „Apps auf Rezept“ wird durchaus auch kontrovers diskutiert: https://www.kbv.de/html/1150_48513.php

Für Psychotherapeut:innen interessant könnte auch die Podcast-Folge „Apps in der Psychotherapie“ von der DPtV sein.

Internet of Things (IoT) im Gesundheitswesen

Ganz einfach ausgedrückt umfasst der Begriff IoT die umfassende Verbindugung von Objekten beliebiger Art, die über das Internet kommunizieren [1]. Daten werden zunächst von Geräten gesammelt, verarbeitet und weitergeleitet von wo aus sie beispielsweise in der Cloud gespeichert werden. Diese Daten können dann auf einer Benutzeroberfläche angezeigt werden [1]. So sind mittlerweile zahlreiche „intelligente“ Geräte in Kliniken und Praxen an das Internet angeschlossen und miteinander vernetzt. Ein Beispiel für IoT ist, wenn Patienten Daten aus Ihren Tracking-Apps an Ihre elektronische Gesundheitskarte schicken können und behandelnde Ärzte diese in Ihrer Praxis abrufen können.

Durch das Monitoring und die Unterstützung von Apps und anderen Geräten werden Patienten in Zukunft auch selbst besser in der Lage sein Entscheidungen zu unserer Gesundheit zu treffen [1]. Heilberufler werden sich auf eine dadurch auf andere Patientengruppen fokussieren können. Patienten die nicht in der Lage sind ihre Gesundheit zu steuern oder Patienten, die das persönliche Gespräch brauchen [1].

(Anmerkung: Mit IoT sind nicht nur Apps gemeint, an dieser Stelle wird jedoch ausschließlich auf App-Anwendungen eingegangen.) 

Vom BfArM zugelassene digitale Gesundheitsanwendungen (DiGas)

Die Übersicht erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

G-Diagnosen
 
G35 – Multiple Sklerose [Encephalomyelitis disseminata]
 
  • elevida. Hierbei handelt es sich um ein Online-Programm für Menschen mit Fatigue bei MS. Das Programm soll Wege aufzeigen, wie Betroffene mit Ihrer Erkrankung besser umgehen können. Dies geschieht durch einen dynamischen Dialog zwischen Betroffenen und Programm mit Hilfe von Informationen, Reflexionen und Übungsanleitungen.
 

K-Diagnosen

K58 – Reizdarmsyndrom
K58.1- Reizdarmsyndrom, Diarrhoe-prädominant [RDS-D]
K58.2 – Reizdarmsyndrom, Obstipations-prädominant [RDS-O]
und 2 weitere
 
  • Cara Care für Reizdarm. Das individualisierte Therapie-Programm  basiert auf Ernährungstherapie, Elementen kognitiver Verhaltenstherapie und Hypnose.

 

M-Diagnosen

M22.2 – Krankheiten im Patellofemoralbereich
M22.4 – Chondromalacia patellae
M76.5 – Tendinitis der Patellarsehne
und 2 weitere
 
  • companion® patella. Das individualisierte Therapie-Programm wird ergänzt durch Informationen rund um das Krankheitsbild.
E-Diagnosen
 
E10 – Diabetes mellitus, Typ 1
E11 – Diabetes mellitus, Typ 2
 
  • HelloBetter Diabetes und Depression. Hierbei handelt es sich um einen Online-Kurs, bei dem depressive Beschwerden und emotionale Belastungen in Zusammenhang mit Diabetes verringert werden sollen.
 
F30-Diagnosen
 
F32.0 – Leichte depressive Episode
F32.1 – Mittelgradige depressive Episode
F32.2 – Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome
und 3 weitere
 
  • deprexis. Das Online- Therapieprogramm bei Depression basiert auf KVT-Methoden.

F40- Diagnosen

F45.40 – Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
F45.41 – Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
M54 – Rückenschmerzen
M79.7 – Fibromyalgie
R52.1 – Chronischer unbeeinflussbarer Schmerz
R52.2 – Sonstiger chronischer Schmerz
 
Z-Diagnosen
 
Z73 – Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
 
C-Diagnosen:
 
C00 – Bösartige Neubildung der Lippe
C01 – Bösartige Neubildung des Zungengrundes
C02 – Bösartige Neubildung sonstiger und nicht näher bezeichneter Teile der Zunge
und 86 weitere
 
  • Mika. Die App ist als interaktiver Krebsassistent gedacht. Patient:innen können Ihre Symptome dokumentieren, erhalten praktischen Tipps und Informationen zu Tumorerkrankungen sowie persönliche Empfehlungen zur Förderung von Gesundheit und Lebensqualität.
 
C50 – Bösartige Neubildung der Brustdrüse [Mamma]:
 
  • CANKADO PRO-React Onco. Die App kann von Patient:innen als persönliches Therapietagebuch genutzt werden zur Dokumentation des Gesundheitszustands oder der eingenommenen Medikamente. Arzttermine können eingetragen und medizinischer Dokumente können archiviert werden. 

 

E-Diagnosen

E10 – Diabetes mellitus, Typ 1
E11 – Diabetes mellitus, Typ 2
 
  • ESYSTA. ESYSTA ist ein digitales Diabetes-Tagebuch, bei dem kompatible Geräte relevante Daten vollautomatisch erfassen und an die App weiterleiten und das Diabetes-Management auf diese Weise verbessern sollen.

App auf Rezept ganz einfach anfordern

Aufgrund von Lücken in Berufsordnungen und Telemedizin-Gesetzgebung können Kassenpatient*innen aktuell sehr schnell und einfach ein Rezept für eine App erhalten. Hierfür sorgt der Anbieter Dr. Ansay AU-Schein GmbH der Webseite: www.appsaufrezept.com. Patient’innen können ein Rezept für eine zertifizierte Gesundheits-App ohne Registrierung nach dem ausfüllen eines Online-Fragebogen anfordern und erhalten das Rezept gegen 1 € Schutzgebühr innerhalb weniger Stunden als PDF ohne einen Arztbesuch. Die Tele-Ärzte von appsaufrezept.com übernehmen optional zudem die Einlösung des Rezepts bei der jeweiligen Krankenkasse.

Allerdings weißt appaufrezept.com selbst darauf hin, dass die Gebrauchsinformationen der App-Hersteller ein vorheriges persönliches Gespräch mit einem Arzt bzw. Ärztin vorschreiben. 

In Ihrem FAQ-Bereich nimmt appaaufrezept.com auch Stellung zu rechtlichen Fragestellungen: www.appsaufrezept.com/faq