Tipps zur Auswahl von Schriftarten für die Praxiswebseite

Die Auswahl der Schriftart hat viele Implikationen. So muss beispielsweise die Einbindung der Schriftarten dsgvo-konform erfolgen. Aber auch sonst gibt es einiges bei der Auswahl und dem mischen von Schriftarten zu beachten. Einige wichtige Grundlagen, die Ihnen bei der Auswahl helfen können, haben wir hier für Sie zusammengestellt. 

Schriftarten & Emotionen

Google hat sich mit der emotionalen Wirkung von Schriftarten beschäftigt, da die Leserschaft -laut Google -, wenn sie zum ersten Mal eine Schrift sehen, vor allem emotional auf diese reagieren. Dennoch warnt Google davor, eine Schriftart nur nach emotionalen Erwägungen zu wählen – sie sollte auch technisch geeignet sein.

Adobe Fonts hat zusammen mit der Schriftwissenschaftlerin Sarah Hyndman ein Spiel entwickelt, um einige der mit bestimmten Schriften verbundenen Eigenschaften zu erforschen. Versuchen Sie es selbst: game.fonts.adobe.com.

Serifen oder Serifenlose Schrift(en)?

Serifentragenden Schriftarten mit ausdifferenzierten Strichstärken werden gegenüber strichmonotoneren, serifenlosen Schriftarten häufig eine schlechtere Lesbarkeit unterstellt. Objektiv lässt sich dies jedoch nicht in allen Studien bestätigen.

Die objektive, an der messbaren Lesegeschwindigkeit festgemachte Lesbarkeit von Schriftarten korrespondiert jedoch nicht immer mit der durch die Nutzer erfahrenen „subjektiven Lesbarkeit“. (Liebig, M. (2007). Browser-Typografie: Untersuchungen zur Lesbarkeit von Schrift im World Wide Web (Doctoral dissertation, Dortmund, Techn. Univ., Diss., 2007).  Die Ergebnisse von Liebig (2007) deuten darauf hin, das Lesende dazu zu
tendieren, Schriftarten als „gut lesbar“ zu empfinden, die sie als „attraktiv“ erachten oder die eine positive Emotion wecken– und umgekehrt.

Einen weiteren Aspekt bringt der Grafikdesigners David Carson mit seinem Ausspruch: „Verwechseln Sie nicht Lesbarkeit mit Kommunikation“ ins Spiel.  Lesbare Buchstabenformen vermitteln nicht immer von sich aus eine Bedeutung, ihre Anordnung und kulturelle Bedeutung trägt ebenfalls zu der zu vermittelnden Botschaft bei.

Die Frage nach der Auswahl der Schriftart(en) ist also komplex. Grundsätzlich finden sich mehrheitlich serifenlosen Schrift in Fließtexten im Web, während für die Überschriften auch Serifenschriften eingesetzt werden. Mehr dazu finden Sie im Abschnitt „Zwei Schriftarten kombinieren“.

Eine oder zwei Schriftarten?

Nicht immer werden zwei verschiedene Schriftarten benötigt. Oft bringt eine Schriftart zahlreiche Variationen (Dicke, Stile, Laufweiten, Größen, UMWANDLUNGEN) mit, mit denen man spielen kann. 

Wird eine Schriftart mit verschiedenen Stilen gewählt, sprechen Designer von einem „Übereinstimmenden“ Konzept. Hierzu eignen sich Schriftarten die möglichst viele Stile mitbringen.

Manchmal bietet die die gewählte Schriftart jedoch nicht ausreichend Variationen (z.B. fehlt eine kursive oder fette Schriftvariation). Bei einigen Schriftarten sind auch nicht alle Zeichen vorhanden (z.B. €- Zeichen für Preisangaben oder das scharfe ß). Dann gilt es, eine passende Kombination zu finden.

Zwei Schriftarten kombinieren

Grundsätzlich wird davon abgeraten, zwei verschiedene Serifenlose, zwei verschiedene Serifen, zwei verschieden Schreibschriften oder zwei verschiedene Schmuckschriften miteinander zu mischen.

Stattdessen sollten entweder zwei Schriften innerhalb einer Familie (z.B. gibt es die Schrift „Roboto“ in den Variationen: Roboto Serif, Roboto Condensed, Roboto Mono, Roboto Slab) oder zwei verschiedene Schrifttypen (z.B. Serifen-  mit serifenloser Schrift) kombiniert werden, die Gemeinsamkeiten aufweisen, sich aber nicht zu ähnlich sind. Die Primärschrift und die Sekundärschrift sollten also weder zu sehr miteinander konkurrieren, noch so ähnlich sein, sodass sie kaum noch zu unterscheiden sind. Der Grafdesigner Jason Santa Maria rät im Zweifelsfall eine Serifen- mit einer serifenlosen Schrift zu kombinieren, da hier fast garantiert sei, dass ausreichend Unterschiede vorhanden sind. Eine weitere Möglichkeit ist mit der Schriftgröße zu spielen. Grundsätzlich lässt sich sagen: Mit deutlich sichtbaren Größenunterschieden zwischen Primär- und Sekundärschrift lässt sich eine ausreichende Unterscheidung herstellen.  

Als Gemeinsamkeiten benennt die Schriftdesignerin und Schriftkünstlerin Jessica Hische strukturelle Ähnlichkeiten, wie etwa eine ähnliche Schrifthöhe, ein ähnlicher Kontrast, eine ähnliche Breite und/oder ein ähnlicher Stil.

Zum Beispiel haben die Seriefenschrift EB Garamond und die serifenlose Schrift Lato eine ähnliche Höhe, Buchstabenbreite, eine ähnliche Darstellung des „g’s“ , und eine ähnliche Form des „c’s“:

Dagegen unterscheiden sich die Seriefenschrift EB Garamond und die serifenlose Schrift Teko in der Buchstabenbreite, Dicke sowie der Darstellung des „g’s“ und des „s“.

Um zu starke Ähnlichkeiten zu vermeiden, können verschiedene Schriftschnitte verwendet werden. Zum Beispiel „Regular“ bei Lato und „Bold“ bei EB Garamond:

Wenn Sie mehr über die Möglichkeiten von Schriftkombinationen innerhalb einer Familie bzw. Superfamilie erfahren wollen, lohnt sich zum Beispiel ein Blick auf die Google Knowledge-Seiten. Dort finden Sie auch weiterführende Informationen zu Kombinationen innerhalb eines Schriftdesigners.

Gut zu Wissen

Sprechen Sie mit Ihrem Logo-Designer ab, welche Schriftart für Ihr Logo verwendet wird. Soll die Schriftart auch auf der Webseite verwendet werden, gilt es zu kären, ob es sich um eine kostenpflichtige Schrift (für Web) handelt und ob diese DSGVO-konfrom eingebunden werden kann.

Browser-Schriften & DSGVO

In einem Urteil vom  20.01.22 (Az. 3 O 17493/20)  hat das LG München einem Besucher einer Webseite 100 € Schmerzensgeld zugesprochen, weil der Webseitenbetreiber Google Fonts per Link ohne vorherige Einwilligung des Besuchers eingebunden hatte. Eine dynamische Einbindung von Google Fonts ohne vorherige Einwilligung des Besuchers ist damit datenschutzwidrig.

Zu Erklärung:

Bei der „statischen Einbindung“ wird die gewünschte Schriftart von Google herunterladen und anschließend in den eigenen Webspace hochladen. Dadurch wird beim Besuch einer Seite keine Verbindung zu den Google Servern aufgebaut.

Bei der „dynamischen Einbindung“ wird die IP-Adresse des Besuchers an Google weitergeleitet. IP-Adressen gehören zu den personenbezogenen Daten.

Ob die vorherige Einholung einer Nutzereinwilligungen per Consent-Tool ausgereicht hätte, die Weitergabe von IP-Adressen an Google zu legitimierten, musste vom LG München nicht entschieden werden.

Ob Adobe Schriftarten (Adobe Typekit Web Fonts) aktuell DSGVO-konform eingebunden werden können, ist aktuell unklar (Stand: Juni 2021).

Schriften & SEO

Wir empfehlen unseren Kund*innen wichtige einzelne Wörter oder Satzteile in einem Text fett hervorzuheben, damit sie den Lesenden schneller ins Auge fallen und die wichtigsten Inhalte besser erkannt werden.

Auch Google achtet darauf, ob bzw. welche Wörter und Abschnitte fett markiert sind. Auch wenn es keinen großen Unterschied macht, kann das Betonen von bestimmten Textstellen Google dabei helfen, besser zu versucht, worum es auf der jeweiligen Seite geht. 

Sie haben noch Fragen oder möchten loslegen?

In einem Gespräch lassen sich Fragen am besten beantworten. Egal ob Sie eine bereits vorhandene Webseite möchten oder erst über eine Webseite nachdenken. Wir sind für Sie da und beraten Sie gerne bei Fragen rund um das Thema Webseite und beantworten Ihre Fragen. 

Rufen Sie uns an: 08121- 792 2256 

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