Webseiteninterakion aus wissenschaftlicher Sicht

Bei der Webseitenerstellung verlassen sich die meisten Anbieter auf Ihre Erfahrung. Dies ist wichtig und richtig. Ein Blick in die Forschung ermöglicht jedoch ein tiefergehendes Verständnis und bringt viele neue und wichtige Aspekte, die eine Webseite noch besser für den Besucher macht. Hier möchten wir Ihnen einige Erkenntnisse aus dem Bereich der Webseiteninteraktion vorstellen, die wir bei der Erstellung von Praxiswebseiten berücksichtigen.

Wenn Sie lieber nur eine kurze Zusammenfassung dieser Seite lesen möchten, haben wir für Sie die wesentlichen Erkenntnisse in der folgenden Box zusammengefasst:

Kurze Zusammenfassung:

Webseiten, die aus Texten und Bildern bestehen, scheinen bei Besuchern am besten anzukommen.

Interaktion mit der Webseite

Jeder Besuchende Ihrer Webseite kann mit der Seite interagieren, in dem die Person auf bestimmte Themen und Inhalte klickt, die sie interessieren, bestimmte Inhalte gegenüber anderen bevorzugt, auf Links innerhalb einer Seite klickt, ein Bild oder Video auf der Seite anklickt, sich ein PDF herunterlädt, usw.

Jede Interaktionsmöglichkeit, die Sie Ihren Besuchenden auf der Webseite bieten, hat ihre eigene Botschaft1 McLuhan, M. (1964). Understanding media. New York: Signet.

Diese Vielfalt ist es, die verschiedene Sinne der Übermittlung und Verarbeitung von Nachrichten anspricht2 Marmolin, H. (1991). Multimedia from the perspectives of psychology. In L. Kjelldahl (ed.), Multimedia: Systems, interactions and applications. First Eurographics workshop, Stockholm, Sweden April 18–19 1991. Berlin, Germany: Springer-Verlag.

Hoogeveen, M. (1997). Toward a theory of the effectiveness of multimedia systems. International Journal of Human-Computer Interaction 9(2), 151–168.
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Je mehr solcher Interaktionsmöglichkeiten Sie Ihren Besuchenden auf Ihrer Webseite bieten, desto größer ist die Interaktivität der Besuchenden mit Ihrer Webseite3Sundar, S. S. (2012). Social psychology of interactivity in human-website interaction. In Oxford handbook of internet psychology. Oxford University Press. 

Ahern, R. K., and Stromer-Galley, J. (2000, June). The interaction effect: An experimental study of high and low interactivity political Websites. Paper presented at the 50th annual conference of the International Communication Association, Acapulco, Mexico.
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Mehrwert von Interaktivität?

Eine höhere Interaktivität sagt zunächst jedoch nichts über Ihren Nutzen aus. Welchen Mehrwert Interaktivität haben könnte, wollten Sundar und Kollegen4 Sundar, S. S., Hesser, K., Kalyanaraman, S., and Brown, J. (1998). The effect of Website interactivity on political persuasion. Paper presented at the 21st General Assembly and Scientific Conference of the International Association for Media and Communication Research, Glasgow, UK. in Ihrer Studie an einer Webseite für politische Kandidaten herausfinden. Dabei stellten Sie fest, dass eine größere Interaktivität auf der Webseite zu einem positiveren Eindruck von den Kandidaten führte, wobei die berichtete Gefühlsnähe bei mittlerer Interaktivität am größten war.

Im Jahr 2000 führte Sundar5 Sundar, S. S. (2000). Multimedia effects on processing and perception of online news: a study of picture, audio, and video downloads. Journalism and Mass Communication Quarterly 77(3), 480–499. ein ähnliches Experiment mit einer Nachrichtenwebseite durch. Die Studienteilnehmenden erhielten Nachrichtenbeiträge zu sehen, die entweder nur aus Text oder Text mit Bildern oder Text mit Audio oder Text mit Bildern und Audio oder Text mit Bildern und Video bestanden. Obwohl Ihnen die Nachrichtenbeiträge mit Audio- und Video-Downloads zunächst als am besten erschien, bewerten Sie im Nachhinein die Webseiten, die aus Text und Bild bestanden, am positivsten.

Grund für dieses „Interaktivitätsparadoxon“ (negativen Auswirkungen trotz ihrer Wünschbarkeit) könnte nach Bucy (2003)6 Bucy, E. P. (2003). The interactivity paradox: closer to the news but confused. In E. P. Bucy and J. E. Newhagen (eds), Media access: Social and psychological dimensions of new technology use (pp. 47–72). Mahwah, NJ: Erlbaum. die daraus resultierende kognitive Desorientierung sein, bzw. die von Sundar (2000) angenommene automatisch ausgelöste Verarbeitung von audiovisuellen Inhalten im Gegensatz zu kontrollierter Textverarbeitung.

Die Kombination aus Text und Bild hat sich in den Studien als Bestes Maß an Interaktivität gezeigt7Sundar, S. S. (2012). Social psychology of interactivity in human-website interaction. In Oxford handbook of internet psychology. Oxford University Press..

Arten von Interaktivität

Spielt es auch eine Rolle, wie die verschiedenen Interaktionmöglichkeiten präsentiert werden? Dieser Frage sind Sundar und Constantin (2004)8Sundar, S. S., and Constantin, C. (2004). Does interacting with media enhance news memory? Automatic vs. controlled processing of interactive news features. Paper presented at the 54th annual conference of the International Communication Association, New Orleans, LA. mittles einer Nachrichtenwebseite nachgegangen.

Dabei haben sie festgestellt, dass die Darstellung, z.B. in Tabs, Mouse-overs usw. zwar zu einer besseren Kodierung der Nachrichteninformationen führte, jedoch auch zu einer schlechteren Bewertung der Struktur des Nachrichtenartikels.

Sundar kommt daher zu dem Schluss, dass die neuartigen Wahrnehmungsdarstellungen von Inhalten zwar dazu führen, dass sich Benutzer stärker mit den vermittelten Inhalten beschäftigen, sich daraus jedoch auch ein ständiges Bedürfnis nach Navigation und Orientierung auch damit eine kognitive Belastung ergibt, die den Benutzer überfordert9Sundar, S. S. (2012). Social psychology of interactivity in human-website interaction. In Oxford handbook of internet psychology. Oxford University Press. .

Zu viele Interaktionsmöglichkeiten überfordern die Besucher Ihrer Webseite und können zu negativen kognitiven und einstellungsbezogenen Ergebnissen führen 10Sundar, S. S. (2012). Social psychology of interactivity in human-website interaction. In Oxford handbook of internet psychology. Oxford University Press. .

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